Woher ich das kenne und...

Wie es dazu kam...


Mein erster Artikel, in dem möchte ich euch schreiben wie ich überhaupt dazu gekommen bin diesen Blog zu veröffentlichen.

Ich fange am besten mal am Anfang an:

Ich bin in Deutschland geboren, in mir fließt jedoch afrikanisches Blut.

 

Mein Vater kommt aus Ghana, das erste Mal war ich dort mit knapp 4 Jahren.

In Ghana, so wie auch in vielen anderen afrikanischen Ländern tragen die Mütter ihre Kinder schon seit Jahrtausenden von Jahren, auf dem Rücken. Sei es auf dem Feld zum arbeiten, beim Kochen, bei der Hausarbeit oder Ähnlichem.

 

Meistens tragen Sie ein Kind auf dem Rücken, eins auf dem Arm. Das größte Kind läuft an der Hand und dann tragen sie auch noch einen Wasserkrug auf dem Kopf. Es ist einfach so beeindruckend. Auch tragen Kinder schon andere Kinder. Und hier in den westlichen Ländern haben wir das Privileg aus Bequemlichkeit und häufig auch durch ein Trend oder teilweise auch einfach nur zur Förderung der Marktwirtschaft, gewisse Standards aufgezwungen bekommen, wie uns einen Hightech Kinderwagen leisten zu können.

Immer mehr Familien beginnen jedoch jetzt ihre Kinder zu tragen.

Ich habe das jetzt in den letzten Monaten auf der Straße häufig beobachtet, wie das Tragen mehr und mehr wird. Babybjörns und Didymos überall.

Ich sehe wie die Kinderwagen als Einkaufswagen missbraucht werden, Kinder dann doch laufen, oder Kinder ihren eigenen Wagen schieben. Auch 5-Jährige haben meist noch einen Kinderwagen, obwohl diese laufen können. Ich finde es erschreckend und denke mir, nächstes Jahr gehen diese in die Schule und sitzen noch in einem Buggy.

Am ehesten noch kann ich die Eltern verstehen die ihr Kind in einer Trage oder einem Tragetuch tragen und den leeren Kinderwagen vor sich herschieben.

Ich sehe täglich wie Kinderwagen -unfreundlichen S-Bahnen mit vier Kinderwagen voll gestopft sind, man an einer Haltestelle kaum herauskommt und der Kombi-Kinderwagen egal ob mit oder Kind immer zu zweit aus der Bahn getragen werden muss. Da diese sehr schwer sind. (ob das jetzt am Kind, oder am Einkauf liegt ist die Frage:D)

 

Nicht anders ist es bei Treppen, entweder man muss einen Umweg nehmen, oder mühsam Stufe für Stufe hochgezogen. Abgesehen vom Zeitverlust, geht das ziemlich auf den Rücken. Schlafende Babys wachen sicherlich meistens bei dem Treppen hoch oder runter gehen auf.  Und an Fahrstühlen, einfach ewig lange Wartezeiten... Nun ja..

In meinem Gedächtnis hat sich ein Kinderwagen dadurch als ein Handicap eingespeichert. Und ich habe mir fest vorgenommen wenn ich ein Kind bekomme werde ich mir keinen Kinderwagen zulegen. Einfach aus Prinzip. Ich möchte nicht den bequemsten Weg gehen sondern den der für mein Kind und mich am besten ist. Eigentlich stimmt der Satz nicht ganz, es ist ja gar nicht am bequemsten, weil der Kinderwagen so viele Probleme mit sich bringt.

 

Gerade im jungen Alter, vor allem gleich nach der Geburt sollten Kinder wenn möglich gestillt werden und nah an der Brust von der Mutter getragen werden (das ist von der Natur einfach so vorgegeben – Bonding ist der Trendbegriff). Die Kinder hören den Herzschlag der Mutter und sind entspannt. Vorausgesetzt die Mutter ist entspannt (es war für mich faszinierend zu spüren, wie sensibel ein kleines Neugeborenes ist, und auf jegliche Reize meinerseits, mit einem Schreien oder Weinen reagiert hat, wenn ich mich erschrecke, ärgere oder einfach genervt war...).

 

Nicht umsonst nimmt man Kinder hoch auf den Arm, legt sie leicht an die Schulter wenn sie weinen, um sie zu trösten. Weil es sie beruhigt.

Was ihr mal beobachten solltet, fast alle Menschen legen das Kind automatisch an die linke Schulter/ Brust, weil dort eben das Herz ist.

 

Also Kinder zu tragen, ist eine gute Sache, da sind wir uns einig.

Ich bin aber jetzt für hinten tragen, warum?

Oben schrieb ich, die Kinder spüren den Herzschlag der Mutter und sollten an der Brust liegen. Ich selbst habe mein Baby von 0-3 Monaten vorne getragen und ab vier Monaten hinten. Am Rücken spürt das Kind den Herzschlag übrigens genauso wie vorne. Es liegt dicht am Körper an riecht den Geruch der Mutter und ist gleichermaßen ruhig wie vorne.

Es mag zu Beginn etwas verwirrend klingen, da man das Kind nicht durchgehend anschauen und anfassen kann, aber glaubt mir es bringt so viele Vorteile mit sich. Und wir können den Kleinen ja auch mal ihre Ruhe lassen.

 

Ich habe nirgends anders als in Ghana die Frauen gesehen die ihre Babys auf dem Rücken tragen. Wie ich oben schon schrieb, beim Putzen, beim Aufräumen, beim Kochen, beim Einkaufen, beim Spazieren gehen, einfach ständig.

 

Wie bin ich nun darauf gekommen?

Ich wohne doch in Deutschland, ich hab mein Kind in Deutschland geboren, ich hab eine Hebamme in Deutschland gehabt, und habe mich hier in Deutschland informiert.

Kein Kinderwagen, das war klar!!. Also eine Tragemöglichkeit?

Ein System oder Gestell kam für mich nicht in Frage, da der Rücken des Kindes nicht gut und nicht individuell genug gestützt werden kann. Also kaufte ich mir ein Tragetuch von Didymos, ich hab mich informiert und beraten lassen. Ich war auch total begeistert ich lernte die Techniken, auf verschiedene Weisen das Tuch zu binden. Und trug mein Baby ganz stolz vorne.

Sie ist im September geboren gegen November wurde es also kalt. Ich musste mir etwas einfallen lassen. Also bestellte ich mir eine Babytragejacke. Mit der ich auch noch heute sehr zufrieden bin.

 

Dann jedoch begann der Stress.

Dieses Tuch zu binden war sehr aufwändig und anstrengend. Es war sehr dick und somit warm. Und weil das Tuch (vom Stoff her) einfach mit der Zeit nachlässt musste ich es immer wieder aufknoten und häufig neu binden. Im Winter mit Schnee oder Regen war das oft lästig. Da diese Tücher sehr lang sind hängen sie auf dem Boden wurde nass oder dreckig. Es hat mich nach einer Zeit wirklich sehr genervt.

Und ich möchte ehrlich sein, ich war gerade froh den Bauch los geworden zu sein, da ich mir nichtmal mehr die Schuhe binden konnte:D

 

Und dann hatte ich wieder eine Kugel vorne. Okay, diese war abnehmbar.. aber trzd.. man sieht seine Füße nicht man läuft gegen Dinge, stolpert.

Ganz schnell war ich nicht mehr begeistert davon. Ich googelte nach Methoden zum hinten tragen. Man kann das Didymos auch hinten binden. (Rucksack ähnlich) Ausprobiert – unbequem.

Zudem standen überall Warnungen dazu, dass das Kind, sein Kopf heben können sollte. Dass der Nacken stabil genug ist. Und dass man hinten tragen erst ab ca 6 Monaten machen sollte.

 

Das konnte ich nicht glauben. In Afrika tragen die Mütter ihre Kinder schon nach der Geburt hinten auf dem Rücken, und alle leben Sie noch. (Also habe ich das ausprobiert, siehe ende des Artikels)

 

Afrikanische Kinder sind den europäischen von der physischen Entwicklung sogar voraus. Über Jahrtausende wurde das weitergegeben. Man sagt dass ein neugeborenes afrikanisches Baby vom Entwicklungsstand dem eines einmonatigen europäischen Babys entspricht.

 

Das viele Liegen, im Bett und Kinderwagen führt häufig auch zu platten Hinterköpfen, hab ich in Afrika auch noch nie gesehen. (Ich weiß es gibt Stämme, die Formen den Kopf der Kinder wie sie es gern möchten, das ist aber ein anderes Thema)

 

Also kramte ich in meinem Kleiderschrank nach einen von diesen Tüchern, die meine Tante mir aus Ghana mitgegeben hatte. Ich rief mein Vater an und fragte ihn wie das noch mal ginge, dann hab ich es ausprobiert und nur wenige Handgriffe, und es hat geklappt. Erst einmal zu Hause..

 

Es war so erleichternd; du kannst dich bücken ohne den Kopf vorne festzuhalten, da das Baby sich problemlos auf dem Rücken anlehnt. Du kannst Putzen ohne Angst zu haben dass dein Kind ins Klo fällt. Kochen ohne Angst zu haben dass es eventuell überkocht oder etwas auf dein Kind spritzt. Das Kind ist hinter einem einfach geschützt.

 

Man fällt ja auch kaum nach hinten,  meistens fällt man nach vorne und stützt sich mit den Armen ab. Selbst wenn ich auf einer Bananenschale ausrutschen sollte, ist die Wahrscheinlichkeit sehr gering das ich nach hinten falle, weil ich ja vor mir jetzt kein Kind mehr habe, und somit auf die Straße sehen kann... und die Bananenschale somit rechtzeitig sehen würde :D

 

Mein Alltag begann also einfacher zu werden. Ich trug mein Baby in der Wohnung nicht mehr sinnlos durch die Gegend. Sondern konnte währenddessen alles mögliche erledigen. Und mein Baby war putzmunter und zufrieden. Ist auf dem Rücken eingeschlafen, dann konnte ich es problemlos ablegen, da das Tuch nicht geknotet wird, und vorne ganz leicht zu öffnen ist. (Überleg mal du willst das Baby aus dem Didymos schlafend oben rausziehen, unvorstellbar für mich).

 

Das afrikanische Tuch wird nicht über die Schultern gebunden, sondern Handtuchähnlich über der Brust „eingeklemmt“ zusätzlich dann noch unterhalb der Brust...

Macht auch Sinn, es wird am stabilsten Körperteil nämlich unseren Rumpf befestigt.

Somit haben unsere Arme eine ganz normale Bewegungsfreiheit. Sind überhaupt nicht eingeschränkt.

 

Da die Last somit auf dem Rumpf verteilt ist. Fühlt sich das Kind leichter an. Da die Fläche auf die sich die Kraft verteilt größer ist als die Schultern (Mit der physikalischen Gleichung dazu, verschone ich euch).

 

Am Anfang scheint es noch tragbar zu sein. Aber mein Kind ist jetzt 1 Jahr und knapp 12 kg.

Denken wir uns mal noch 2 Jahre und noch 15 kg drauf.

Dann möchte ich das Kind nicht mehr vorne in meinem Gesicht tragen. Und 25 kg auf den Schultern, hält man auch nicht lange aus.

 

Mit einem Kinderwagen in China, wäre ich nicht einmal aus dem Flughafengebäude gekommen.

 

Alltag, Haushalt, Urlaub, Reisen etc. mit Kindern vereinfachen, das ist meine Motivation!

Unsere Zeit ist so kostbar, wir sollten diese Nutzen.

Mit dem Kind auf dem Rücken kannst du alles machen.

 

Es ist farbenfroh, und schön, nicht zu lang, und gefaltet nicht größer als ein Taschenbuch.

Was ich mit dem Tuch noch alles mache, außer Tragen könnt ihr weiterhin auf meinem blog lesen.

 

Eure SaSa

 

 


Das war 3 Wochen nach Entbindung


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Kommentare: 3
  • #1

    Kränzler Haas,Birgit (Dienstag, 05 September 2017 08:17)

    Hallo Sarah Samira, was für ein wunderbarer Bericht. Ich würde Dich gerne mal zu unseren Nachtrrffen einladen, damit Du die Tragetechnik erklären kannst. Deine Argumente sind nachvollziehbar! Liebe Grüsse �

  • #2

    sara (Dienstag, 05 September 2017 09:16)

    Wow du hast dir mit dem Text wirklich viel Mühe gegeben. Und die Trageart klingt super interessant! Wenn es bei mir dann mal so weit ist muss ich das unbedingt ausprobieren !!

  • #3

    Sarah (Freitag, 05 Januar 2018 20:48)

    Hallo,
    Was du schreibst klingt gut und ich finde es auch alles richtig, aber man kann auch mit dem didymos tragetuch sp binden dass es bequem und Rumpf belastend ist z.b. mit dem double hammock... Zusätzlich kann man auch noch vorne und auf hüfte tragen, was oft sehr praktisch ist z.b wenn das Kind krank ist oder auf der hüfte im tierpark wenn man mit dem Kind kommunizieren möchte. Aber ich finde deine Tücher ganz toll und werde es auf jedenfall testen. Herzliche Grüße